netzwerke der ns-verfolgung in kassel
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Tannenstraße 15 -- Zeugen Jehovas

In dem Mietshaus Tannenstraße 15 lebten die »Bibelforscher" (alter Name für die »Zeugen Jehovas") Julius Hochgräfe und Heinrich Mühlhausen. Die Religionsgemeinschaft wurde bereits im April 1933 verboten, da sie aus tiefem Glauben den Hitlergruß, den Wehrdienst und den Eid auf den »Führer" verweigerte. Damit stellten sie den totalitären Anspruch des NS-Staates grundlegend infrage. Die Tannenstraße 15 wurde im Untergrund zu einem konspirativen Zentrum des Widerstands. Trotz permanenter Gefahr trafen sich hier Gläubige, erhielten verbotene, aus der Schweiz geschmuggelte Schriften und vervielfältigten Druckerzeugnisse. Julius Hochgräfe, der seit seiner Erkrankung an Kinderlähmung körperlich stark eingeschränkt war, nutzte seine Wohnung als logistischen Knotenpunkt, um den verfolgten Glaubensbrüdern Halt zu geben.

Der Verfolgungsapparat schlug schließlich zu: Nach Denunziationen stürmte die Gestapo das Haus. Es folgten brutale Verhöre im Gestapo-Hauptquartier am Königstor, die Haft in der Strafanstalt Wehlheiden und schließlich die Deportation in Konzentrationslager.


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