Kasseler Osten
Wir stellen uns die Frage, welches historische Erbe sich in den Stadtteilen östlich der Fulda verbirgt. Und unter suchten dazu die Stadtteile Bettenhausen, Forstfeld, Waldau und die Unterneustadt. Obwohl die NS-Rüstungsindustrie die dortigen Stadtstrukturen bis heute massiv prägt, findet im Straßenraum keine bis wenig Aufarbeitung statt. Der Kasseler Osten erscheint in der städtischen Erinnerungskultur oft »vergessen".
Aufbauend auf unsere Recherche konzipierten wir als -- vorläufig unrealisierte - Intervention ein Markierungs- und Informationssystem für relevante Orte aus der NS-Zeit und dem heutigen Rechtsextremismus. Wir entwickelten vier verschiedene Interventionswerkzeuge für den Straßenraum, welche wichtigen Teil der Geschichte stadtteilbezogen greifbar machen und aufzuzeigen, wie sich die Netzwerke und Strukturen der NS-Zeit bis heute nachverfolgen und lokalisieren lassen.
Eine Großteil dieser Standorte bezogen wir in einen dann entwickelten 7,6 km langer »Kritischer Stadtrundgang" ein, der als Rundweg konzipiert ist und in zwei Etappen unterteilt ist~~.~~ Jede der beiden Etappen verfügt über einen zentralen Startpunkt.
Als Startpunkt der ersten Etappe dient das Sandershaus in Bettenhausen. Dies ist ein soziokulturelles Zentrum und Begegnungsstätte, mit einem anmietbaren Seminarraum, geeignet als Treffpunkt und Lagerraum für den Aufbau der Interventionen. Von dort aus können Stück für Stück die Stationen 1-8 entlang der Route 1 "Dorfidylle" und Station 24 mit einem kleinen Umweg aufgebaut werden.
Der Ende der Route 1 mit acht Stationen bildet zugleich den Anfangspunkt der Route 2 "Industrie" da. An diesem Punkt in Forstfeld befindet sich eine Freifläche des SDG+Lab der Universität Kassel. Hier gibt es -- gegenwärtig nicht genutzte - Outdoor-Möbel und Container. Von hier führt die 2. Etappe über 11 Stationen zurück zum Sandershaus in Bettenhausen.
Die restlichen Interventionen, die nicht in unmittelbarer Nähe zu den beiden Routen liegen, müssen separat aufgesucht werden bzw. werden von Menschen in ihrem Alltag vor Ort angetroffen.
Surya Kugachandran, Charlotte Paulzen