Tatorte oder Infrastrukturen des Rechtsextremismus
Wir untersuchten die Entwicklung rechtsextremer Netzwerke und Aktivitäten in Kassel und Nordhessen von 1990 bis heute, um diese räumlich sichtbar zu machen. Im Fokus unserer Recherche standen Tatorte rechter Gewalt, Treffpunkte zur Vernetzung, Organisationen sowie zentrale Akteur der Szene und deren Vernetzung. Wegen der Vielzahl der Vorfälle und der hohen Dunkelziffer begrenzten wir uns auf Köperverletzungen und Mord, und haben Sachbeschädigungen und Äußerungsdelikte nicht mit aufgenommen. Quelle unserer Recherchen waren öffentlich zugängliche Informationen. Viele rechtsextreme und rassistische Angriffe werdennicht zur Anzeige gebracht werden und sind daher öffentlich nicht bekannt. Gleichzeitig werden Vorfälle teilweise nicht als rechtsextrem eingeordnet und daher nicht entsprechend erfasst und dokumentiert. Die Auswahl der dokumentierten Fälle stellt daher keine abschließende Darstellung rechten Terrors in Kassel dar. Die zeitliche Eingrenzung auf die Gegenwart ab 1990 und die räumliche Eingrenzung auf Stadt Kassel erfolgte auf der großen Dichte der Vorfälle. Zu Beginn unser Arbeit befassten wir uns mit ganz Nordhessen seit 1945.
Die recherchierten Orte werden durch temporäre Interventionen markiert und als Tatorte kenntlich gemacht. Jeder Ort wird durch drei Poller markiert, die in Form eines Dreiecks aufgestellt werden. In der Mitte befindet sich ein nummeriertes Tatortschild, wie es in der Kriminologie genutzt wird, mit einem QR-Code auf der Rückseite. Beim Scannen des QR-Codes öffnet sich eine interaktive Karte, auf der es Informationen zu dem Standort gibt und auch alle weiteren Standorte auf diese Weise eingetragen sind.
Die Interventionen sind für eine Woche geplant. Im Anschluss an die Installationen werden die Standorte durch aufgesprühte Kreise, welche auch in der Kriminaltechnologie zur Kennzeichnung von Beweismitteln verwendet werden, mit einem zentrierten QR-Code markiert, der regelmäßig erneuert werden kann.
Elisabeth Eckart, Paula Terwort unter Mitarbeit von Surya Kugachandran für die Recherche