Verfolgung von ausländischen Zwangsarbeitern
Allein im Stadtgebiet Kassels gab es während der NS-Zeit über 80 Zwangsarbeiterlager unterschiedlichere Größe, die über den gesamten Stadtraum verteilt waren. Weitere Zwangsarbeiter waren auch in kleineren Betrieben wie Bauernhöfen oder gar in Haushalten untergebracht.
In den Lagern wurden meist ausländische Zwangsarbeiter untergebracht, die aus ihren Heimatländern durch Propaganda getäuscht oder unter Zwang nach Deutschland kamen, um hier die Kriegswirtschaft aufrecht zu erhalten. In Nordhessen wurden viele von Ihnen in der Rüstungsproduktion eingesetzt -- von der Sprengstoffherstellung bis zum Panzer- und Flugzeugbau.
Die Intervention konzentriert sich auf drei spezifische Orte der Unterbringung von Zwangsarbeitenden. Zum einen das Zwangsarbeiterlager in der Paul-von-Hindenburg-Schule und an der Wilhelmshöher Allee (heutige Jacob-Grimm-Schule), zum zweiten das Zwangsarbeiterlager Mattenberg in Kassel-Oberzwehren und zum Dritten ein größeres Areal in Rothenditmold an der Wolfhager Straße, wo sich neun Zwangsarbeiterlager befanden. Die Auswahl fiel auf diese Lager, da sie alle einen unterschiedlichen Zweck erfüllten. Das Lager Mattenberg war ein »klassisches" Zwangsarbeiterlager, das Lager an der Wilhelmshöher Allee 35-39 wurde zur temporären Unterbringung nach der Bombardierung 1943 genutzt und auf dem Gebiet an der Wolfhager Straße betrieb die Firma Henschel selber die Lager.
Um die Lager sichtbar zu machen, setzt die Intervention auf Verkehrsschilder, die an den jeweiligen Eckpunkten der ehemaligen Lager aufgestellt werden. Auf den verfremdeten Verkehrsschildern sind einfache Fakten, wie z. B. die Anzahl der Zwangsarbeiter, ihre Herkunftsländer sowie die Zeitdauer des Lagers benannt. Zudem verweisen die bei Sehenswürdigkeit üblichen »touristische Unterrichtungstafeln und Wegweiser" an den Zufahrtsstraßen auf die Standorte.
Die Ausstellung wird innerhalb von sechs Wochen durchgeführt*.* Die Standorte werden nicht alle gleichzeitig bespielt, sondern die Schilder wechseln den Standort im 14-tägigen Takt. Erster Aufstellungsstandort ist die Jacob-Grimm Schule, wo die Einweihung zwei Tage vor Ausstellungseröffnung gemeinsam mit den SchülerInnen stattfindet. Später erfolgt ein Standortwechsel zum Lager Mattenberg und letzter Interventionsort ist das Lager Wolfhager Straße. Bei der Aufstellungszeremonie und Einweihungsfeier werden zudem von fachkundigen WissenschaftlerInnen Ansprachen gehalten. Genaueres dazu entnehmen Sie bitte unserem Flyer und unserer Website.
Charlie Warszawa


Recherche & Text: Charlie Warszawa