netzwerke der ns-verfolgung in kassel

Religiös und weltanschaulich Verfolgte

Neben der politisch und rassistisch Verfolgten, gerieten auch Gruppen in das Visier des NS-Staates, die aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen Widerstand leisteten: die »Bibelforscher" (heute als Zeugen Jehova bekannt), die »Bekennende Kirche" und die Freimaurer.

Die Verfolgung dieser Gruppen folgte unterschiedlichen Dynamiken, traf jedoch auf denselben rücksichtslosen Staatsapparat. An der Spitze der regionalen Täterstrukturen stand die Gestapostelle Kassel, die auch mit zahlreichen Spitzeln die verfolgten Gruppen ausspähte. In den Gestapostellen wurde für die Überwachung und Verfolgung religiöser Gruppen die Referatsabteilung »Konfessionen und Sekten" (Referat II B 1) eingerichtet, die Verfolgung der Freimaurer war in das »Judenreferat" II B 2 integriert. Deren Ermittlungen fand dann Niederschlag in den monatlichen Berichten der Kasseler Gestapo an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Die Kenntnisse führten u.a. zu Verhaftungen, wobei eine Reihe der Verfolgten in den Jahren 1933 -- 45 im Polizeipräsidium festgehalten, verhört und gefoltert wurden.

Ein zentraler Ort des kirchlichen Widerstands in Kassel war die Kreuzkirche, in der Pfarrer Paul Lieberknecht als Angehöriger der bekennenden Kirche tätig war und u.a. verfolgten Christen jüdischer Herkunft beistand und Schutz bot.

Die Zeugen Jehovas wurden wegen der Verweigerung des Hitlergrußes und des Wehrdienstes bereits 1933 verboten. Ihre privaten Wohnungen in Kassel dienten als geheime Treffpunkte. Nach Entdeckung drohte den Mitgliedern die Festnahme über das Polizeipräsidium im Königstor, die Haft in der Strafanstalt Wehlheiden oder im Konzentrationslager.

Die Freimaurer wiederum wurden von den Nationalsozialisten als Teil einer vermeintlichen Weltverschwörung dämonisiert. Ihre Logenhäuser in Kassel wurden zwangsweise geschlossen, geplündert und enteignet, die Mitglieder psychisch und wirtschaftlich ruiniert.

Unsere Interventionen markieren Orte des Widerstandes, wobei mit einem Schattenwurf an die längst verstorbenen Menschen als Träger des Widerstands erinnert wird.

Mikael Roushani Zafaranlu

Recherche & Text: Mikael Roushani Zafaranlu


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