Rechter Aufmarsch bei der Beisetzung von Michael Kühnen auf dem Westfriedhof 1992
Am 3. Januar 1992 wurde die Urne des Neonazis Michael Kühnen auf dem Kasseler Westfriedhof in der Heinrich-Schütz-Allee beigesetzt. Seine Beerdigung entwickelte sich zu einem überregionalen Treffen der Neonazi-Szene, zu dem zahlreiche Rechtsextremist\*innen aus allen Teilen Deutschlands nach Kassel anreisten. Gleichzeitig protestierten hunderte Antifaschist\*innen gegen diesen Aufmarsch. Im Umfeld der Beerdigung kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremist\*innen, Gegendemonstrant\*innen und der Polizei. Michael Kühnen (1955--1991) galt als einer der einflussreichsten Neonazis der Nachkriegszeit. Er war Mitbegründer der »Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationale Aktivisten" (ANS/NA), der »Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) und der »Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front" (GdNF) und war in zahlreichen weiteren Splittergruppen aktiv. Michael Kühnen starb am 25. April 1991 im Krankenhaus in Kassel an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.
Ursprünglich wollte er in Langen bei Frankfurt am Main bestattet werden. Gemeinsam mit Heinz Reisz hatte er versucht, Langen zur »ersten ausländerfreien Stadt Deutschlands" zu machen. Die Stadt lehnte eine Beisetzung jedoch ab. Auch andere Gemeinden verweigerten die Bestattung, da sie befürchteten, sein Grab könne zu einem Wallfahrtsort für Rechtsextremist\*innen werden. Nach monatelanger Aufbewahrung wurde seine Urne schließlich in Kassel beigesetzt.