Am Fieseler Werk 27, 34253 Lohfelden
**Messerangriff auf Ahmed I. 2016**
Am 6. Januar 2016 wurde der aus dem Irak stammende Flüchtling Ahmed I. in Lohfelden Opfer eines lebensgefährlichen Messerangriffs. Der damals 22-Jährige hielt sich zum Tatzeitpunkt erst seit etwa eineinhalb Monaten in Deutschland auf. Ahmed I. war auf dem Weg zu einer Tankstelle, als ihn ein Fahrradfahrer von hinten mit einem Messer in den Rücken stach. Nur durch großes Glück überlebte Ahmed I., da das Messer eine Arterie nur um Zentimeter verfehlte. Zum Tatzeitpunkt lebte er in der Flüchtlingsunterkunft in Lohfelden, die durch eine Rede von Walter Lübcke bei einer Bürgerversammlung im Jahr 2015 bundesweit bekannt geworden war. Ahmed I. erklärte bereits kurz nach der Tat, dass er von einem rechtsextrem motivierten Angriff ausgehe. Diese Spur wurde zunächst nicht weiterverfolgt. Erst im Zuge der Ermittlungen zum Mord an Walter Lübcke rückte der Fall erneut in den Fokus.
Der Rechtsextremist Stephan Ernst geriet unter Tatverdacht und wurde schließlich 2020 wegen des Mordes an Walter Lübcke angeklagt. Die Bundesanwaltschaft ging davon aus, dass Stephan Ernst, aufgewühlt durch die Kölner Silvesternacht 2015, Ahmed I. stellvertretend für Geflüchtete angegriffen hatte, um Angst zu verbreiten. Bei einer Durchsuchung seines Wohnhauses 2019 fanden Ermittler\*innen ein Messer, an dem eine sehr schwache DNA-Spur mit markanten genetischen Merkmalen gesichert wurde, die mit der DNA von Ahmed I. übereinstimmte. Aufgrund der geringen Qualität und Menge der DNA-Spur konnte jedoch kein eindeutiger forensischer Nachweis erbracht werden.
Im Januar 2021 sprach das Oberlandesgericht Frankfurt Stephan Ernst vom Vorwurf des versuchten Mordes frei. Das Gericht bewertete die Indizien als nicht ausreichend für eine Verurteilung, da Ernst unter anderem einen Kaufbeleg für das als Tatwaffe vermutete Messer vorlegte, der auf einen Zeitpunkt nach dem Angriff datiert war. Ahmed I. leidet bis heute unter den physischen und psychischen Folgen des Anschlags.
